vom 22.12.2003
Werbemädchen erstarren in der Banalität des Schönen
Die Frankfurter Galerie Gering stellt realistische Gemälde von Philipp Weber aus
... Die in letzter Zeit wenig verwöhnten Galeristen bedienen mit neuem Elan die Marktlücke,
protegieren gezielt junge Maler. Diese frischen Geister wiederum, gerade den müde
gewordenen Akademien entsprungen, setzen ganz bewusst auf Tradition. "Das ist die altbekannte
Symbiose zwischen Künstler und Händler", erklärt Ulrich Gering, der seit vielen Jahren
realistische Malerei ausstellt, das Phänomen. "Für mich hat der neue Trend wenig Konsequenzen.
Auch wenn mir die Leute die Bilder aus den Händen rissen, könnte ich nicht mehr verkaufen."
Philipp Weber beispielsweise, dem Gering in seiner aktuellen Ausstellung zeigt, malt zwei
Monate an einem Bild, Öl auf Leinwand. Sechs Gemälde pro Jahr, das ist keine Ausbeute,
um Reichtümer anzuhäufen. Doch schneller malen hieße, die Ideale preisgeben. Die im vergangenen
Jahr entstandenen "Strandelfen Juliane und Sharina", nymphenhafte Mädchen mit
Schmetterlingsflügeln, erscheinen zunächst wie Fotografien. Bis man die zarten, akribischen
Pinselstriche entdeckt, die den Teint, die Haare täuschend echt beschreiben. Warum dann nicht
gleich Fotografie ausstellen? Die Frage stelle sich nicht, kontert Gering. Der Künstler Philipp
Weber will die Akkuratesse, die Feinmalerei. Ihm geht es um seine ganz persönlichen Ansprüche an
das Bild. Und er perfektioniert seine Technik zusehends. Eine frühe Arbeit, "Der Kuss- Tina"
von 1997, zeigt noch deutliche Anleihen bei Lehrer Rob Scholte, dessen plakative Bilder der Pop-Art
verwandt sind.
Bei seinen neuen Arbeiten legt Weber noch gekonnter Malschicht auf Malschicht, zugleich stößt er in
tiefere Sinnschichten vor. Form und Inhalt beziehen sich dialektisch aufeinander.
Was heißt das? Weber zeigt mit seiner Feinmalerei ein Gegenentwurf zur Schnelligkeit unserer Zeit,
zur Kunst mit Verfallsdatum. Im Gegensatz dazu ist gerade die Schönheit seiner Kindfrauen eine
Schönheit mit Verfallsdatum. Die Girlies sind Abbilder eines sich unablässig verjüngenden
Schönheitsideals, gemalt in einer traditionellen Technik, die Jahrhunderte überstehen kann....
von Gabriele Derouiche